Egal ob ein Sportunfall, ein Stolpern auf der Treppe, altersbedingte Unsicherheit oder schlichtweg ein Ausrutschen auf offener Straße zur Ursache eines Sturzes werden – wenn Menschen zu Boden stürzen, versuchen die allermeisten ganz intuitiv, sich mit den Händen abzustützen, damit den Fall zu dämpfen und ihren Torso und insbesondere Kopf und Gesicht vor einem direkten Kontakt mit dem harten Untergrund zu bewahren. Evolutionsbiologisch ist das sinnvoll: Gehirn, Herz, Lunge und die übrigen im Oberkörper versammelten Organe sind für das Überleben schließlich von größerer Bedeutung als Hand und Fuß.

Dennoch führen solche reflexartigen Rettungsmaßnahmen nicht selten zu unangenehmen Brüchen am sensiblen Ende der Speiche, einem der beiden Unterarmknochen, kurz vor dem eigentlichen Handgelenk – Im Volksmund ist diese Verletzung als Handgelenkbruch bekannt.

Formen des Handgelenkbruchs

handgelenkbruchDas Handgelenk an sich besteht aus acht kleinen Knochen, die über Knorpel und Sehnenverbindungen mit den beiden Unterarmknochen Elle und Speiche verknüpft sind. Auch wenn jeder dieser Knochen von einem Bruch betroffen sein kann, ist bei einem Handgelenkbruch in der Regel von einem Schaden an der Speiche die Rede. Tatsächlich ist der Handgelenkbruch die weltweit am häufigsten auftretende Fraktur oder Bruchverletzung, an der Gesamtzahl der Knochenbrüche nimmt sie etwa ein Viertel ein – Stürze treten eben überall auf, egal ob in Afrika oder Nordamerika: Fallen ist menschlich. Die Bruchwahrscheinlichkeit steigt allerdings mit zunehmendem Alter, Osteoporose begünstigt naturgemäß ein Einbrechen der Knochenstruktur.

Die meisten Brüche erfolgen bei gestrecktem (sogenannte Colles-Fraktur), wenige bei nach hinten gebeugtem Handgelenk (Smith-Fraktur), der Unterschied liegt in der Beschaffenheit und im Winkel der Bruchstelle.
Eine Sonderform des Bruchs ist unter dem Namen Grünholzfraktur bekannt. Ihn erleiden ausschließlich Kinder, deren Knochen noch sehr elastisch sind und nicht immer vollständig brechen. In diesem Fall ist das Innere der Speiche in der Hand angebrochen, während die äußeren, biegsameren Schichten den Zusammenhalt des Knochens gewährleisten. Smith, Colles, oder doch Grünholz: welche Diagnose letztlich auf den eigenen Bruch zutrifft, ist für den Leidtragenden aus nachvollziehbaren Gründen zweitrangig oder auch völlig irrelevant, für ihn zählt allein eine schnelle Genesung und vor allem ein Ende der meist äußerst unangenehmen Schmerzen.

Welche Symptome führen zur Diagnose eines gebrochenen Handgelenks?

Ob in der Tat ein Knochenbruch und nicht ein „schlichter“ Bluterguss vorliegt, lässt sich meist bereits schon vor dem unerlässlichen Besuch beim Arzt oder auch der Notaufnahme anhand der Stärke des Schmerzes beurteilen. Wenn bereits leichte Bewegungen der Hand unverhältnismäßig starke Schmerzen verursachen, zudem eine Dumpfheit des Tastsinns oder ein Kribbelgefühl und Pelzigkeit in den Fingern deren Bewegungen und Berührungen begleiten, kann zumindest von einem Anbruch des Gelenkes ausgegangen werden.

Unter Umständen kann es bei der Bewegung der Hand zu zugegebenermaßen ziemlich unheimlichen Kratz- oder Knistergeräuschen kommen, die im Fachjargon Krepitationen genannt werden und als sicherer Indikator für einen Bruch gelten dürfen. Eine klare Diagnose kann freilich allein vom Arzt, zumeist nach dem Röntgen gestellt werden. Wenn das Röntgenbild keine eindeutigen Schlüsse auf die Bruchbeschaffenheit zulässt, kann in seltenen Fällen auch eine Computertomographie von Nöten sein.

Handgelenkbruch – Konservative Behandlung oder doch Operation?

Je nach Qualität der Verletzung kommen unterschiedliche Behandlungsmethoden in Frage. Die gängigste Form ist allerdings das klassische Eingipsen, das bei einem Anbruch oder einem Ausbleiben von Verschiebungen der Bruchstellen unmittelbar erfolgen kann.

  • Haben sich durch die Schwere des Sturzes beide Bruchseiten gegeneinander verschoben, werden sie unter lokaler Betäubung durch gezieltes Ziehen, Drehen und Schieben der Finger und des Unterarms wieder in ihre natürliche Stellung gegeneinander geschoben – man spricht hier von „Reposition“ – und in dieser Position ruhiggestellt, also eingegipst.
  • Der Gips wird in der Regel für mindestens sechs Wochen getragen, sodass der Bruch wieder vollständig zusammenwachsen und das Handgelenk wieder seine natürliche Position einnehmen kann.

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Schwerwiegende Brüche in der Handgelenkregion

Haben sich jedoch Teile des Knochens gelöst, oder liegt gar ein Trümmerbruch vor, ist von einem komplexeren Eingriff auszugehen. Dabei werden entweder Drähte durch kleine Schnitte in das umliegende Gewebe in den Knochen eingeführt, die zur Stabilisierung der Bruchpartien beitragen sollen, oder auch in einer offenen Operation unter Verwendung von Stiften oder Schrauben Metallplättchen in die betroffenen Regionen des Handgelenks eingefügt, die frühestens nach zwölf bis vierzehn Wochen entfernt werden können, oftmals aber lebenslang in der Hand belassen werden.

Letztere Methode kommt insbesondere bei starken Trümmerschäden und offenen Brüchen in Frage, wenn sich das Handgelenk nicht durch äußerliche Krafteinwirkung oder Reposition in seine ursprüngliche Lage bringen lässt. Ein Vorteil dieser Methode liegt aber in der schnellen Wiederherstellung der Belastungsfähigkeit der Hand und des Handgelenks, ohne dass ein Eingipsen erforderlich ist. Jede Behandlungsmethode wird von regelmäßigen Röntgenkontrollen begleitet, bei denen mögliche Verschiebungen der Bruchflächen und andere Fehlentwicklungen erkannt werden sollen.

Informieren Sie sich über die Anatomie des Handgelenks

Der Bruch und die Folgen: Dauer eines Handgelenkbruchs

Nicht lange nach der Operation und dem Eingipsen sollten in Absprache mit dem Arzt oder einem Physiotherapeuten erste Bewegungsübungen in der Schulter- und Ellenbogenpartie und den Fingern aufgenommen werden um einem Versteifen der Muskulatur rund um das Handgelenk zu vermeiden und für eine richtige Regeneration der meist in Mitleidenschaft gezogenen Nervenstränge zu sorgen, in einigen Fällen ist hier auch der Einsatz von Elektrostimulation ratsam.

  • Kühlen und Schmerzmittel: Um Abhilfe gegen die lästigen Schmerzen zu schaffen reichen in der Regel leichte bis mittelstarke Schmerzmittel und gelegentliches Kühlen mit Eis aus, um eine Schwellung der betroffenen Partien zu verhindern, sollte der Arm zudem durch ein Dreieckstuch vom Hinabhängen abgehalten werden.

Auch wenn die eigentliche Behandlungsdauer eines Handgelenkbruchs verhältnismäßig kurz ist, kann er doch längerfristige und äußerst unangenehme Beeinträchtigungen der gesamten Hand zur Folge haben. Nicht wenige Betroffene klagen noch Monate, zum Teil sogar Jahre nach dem Bruch über gelegentliche Schmerzen in der Hand um im Unterarmbereich, einen eingeschränkten Bewegungsspielraum der Finger und einem Gefühl von Dumpfheit in den Fingerspitzen. Manchmal kann ein Handgelenkbruch, insbesondere ab einem Alter von über vierzig Jahren, auch auf eine Osteoporoseerkrankung hindeuten.

In den meisten Fällen sind aber leichte Workouts des unteren Körperbereiches nach einigen Monaten wieder möglich, auf intensivere Sportarten wie Fußball oder gar Handball und Skifahren muss leider über einen längeren Zeitraum verzichtet werden. Grundsätzlich sollte aber über die Wiederaufnahme jeder Art von Sport und Gymnastik in Absprache mit dem Arzt entschieden werden, wenn das Risiko einer erneuten Verletzung oder einer Verlängerung des Heilungsprozesses vermieden werden soll.